Mittwoch, 7. April 2010

Selbstzweifel

Heute habe ich etwas gelernt. Oder besser, heute habe ich etwas verstanden.
Wir reden hier nicht von einem neuen Konzept. Im Gegenteil. Offensichtlich.

Im Sport ist schon immer Gang und Gebe, dass man seine Leistungen dokumentiert.
Man notiert sich seine Bestzeiten, Kraftmerkmale und im Bodybuilding seine Körpermaße.

Jede Woche hole ich das Maßband raus, alle zwei Tage steige ich auf die Waage.
Und die Werte sagen ganz klar aus, dass ich etwas richtig mache.

Nun, warum ist das für mich wichtig?
Obwohl ich sehr rationell bin und Wissenschaft liebe, fällt es mir manchmal schwer objektiv zu sein.
Ich sehe mich viel schlechter und schätze mich viel mieser ein als ich tatsächlich bin.

Verrückt ist, dass ich wohl noch dasselbe Mindset habe, wie vor 6 Jahren.
Alles Äußerliche hat sich verändert seit dem, aber nicht in mir drin.

Klar, Teile meiner Kindheitspsychologie sind vorteilhaft. Ich war schon immer sehr positiver Mensch. Ich habe das Gute in anderen gesehen, fühlte mich nie verloren oder entmächtet. Ich hatte viel Hoffnung und träumte tagsüber mindestens so viel wie nachts.

Immernoch sind da diese Selbstzweifel. Es fühle mich wie ein griechischer Held aus den Sagen, der seinem Schicksal mutig und blind entgegentritt. Der Weg ist steinig, das Ziel unnerreichbar und trotzdem treibt einen etwas voran.
Tragisch, huh?

In mir steckt noch mehr Held. Ich war immer ein Held darin zu rationalisieren. Ich habe immer irgendwelche Gründe gefunden, warum etwas in meinem Leben so ist, wie es ist. Zum Beispiel bin ich eine Legende und meine Biographie eine Tragödie.

Wirkliche Gründe sind das nie. Sie sind erfunden. Ich weiß es, weil ich es selbst erfinde.
Eine Situation ergibt sich nicht aus den Gründen, die danach erst suche.
Es gibt nun mal die Dinge, die liegen in meiner Kontrolle.

Und da muss eine Grenze ziehen. Was auch immer unter meiner Kontrolle ist, darf ich nicht wegrationalisieren. Das machen Feiglinge und Versager.
Die waren Gründe sind vermutlich Faulheit, Angst und Wut.

Keine guten Gründe, huh?

Wie auch immer...
Wichtig ist, dass ich Fakten sehr viel Wert zuschiebe. Fakten und Wissenschaft sind meine ultimative Rationalisierung. Wenn ich sie vor mir sehe, glaube ich Ihnen.

Bemerkt habe ich es heute als ich mich gemessen habe. Die ganzen Tage und Wochen habe ich den Eindruck gehabt, ich mache etwas falsch, da ich immernoch Rettungsringe habe.
Dann habe ich meine Werte genommen und sie waren erstaunlich.

Ich nehme tatsächlich kontinuierlich und vorhersehbar ab. Ich habe es schwarz auf weiß. Und eigentlich sogar in Farbe, da ich auch noch Bilder mache. Aber die will ich mir gar nicht anschauen.

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